JENS HAUSMANN. Raum und Hülle

CV Jens Hausmann

 

Opening: 18.1.2017, 19.00 - 21.00, in Anwesenheit des Künstlers / in the presence of the artist

 

Please scroll down for the English version ----->

 

Die Galerie Reinthaler zeigt erstmals in Österreich Arbeiten des in Berlin lebenden Malers und Kurators Jens Hausmann. Zu sehen sind vornehmlich nüchterne und reduzierte Architekturdarstellungen in stimmungsgeladenen Licht- und Landschaftssituationen. Dabei handelt es sich um Bauten aus Beton, Glas und Stahl, also Baumaterialien, die seit der klassischen Moderne eingesetzt werden. Ganz im Sinne von „Form follows function“ (Louis Sullivan) und „Less is more“ (Ludwig Mies van der Rohe) sucht Jens Hausmann seine Häuser aus. Er verwendet dabei meistens fotografische Vorlagen von realen Bauten aus dem Internet. Während seiner häufigen Brasilienaufenthalte entstand das Interesse für die Architektur der Moderne und des International Style in einem anderen landschaftlichen und kulturellen Kontext.

Oft zeichnet und aquarelliert er seine Motive, bevor sie in Malerei umgesetzt werden. Er verzerrt und reduziert dabei die Originalvorlage, um einen „dramatischeren und cineastischeren Ausdruck“ zu erreichen. Es geht dem Künstler hauptsächlich um die Stimmung der Bilder, nicht um die Erzählung einer Geschichte. Menschen bleiben seit einigen Jahren ausgespart. Neben der Titelauswahl trägt die jeweilige Funktion der dargestellten Räume und Gänge zum Inhalt der Bilder bei. Auch die bewusste Reduktion auf das Wesentliche soll ein Ablenken in Richtung eines allzu großen Interpretations-spielraumes verhindern.

 

Tatsächlich arbeitet Hausmann in gewisser Weise wie ein Bühnenbildner – jedes Detail wird bewusst in Szene gesetzt. Nicht umsonst fühlen wir uns manchmal an Theaterkulissen oder Filmszenen erinnert. Seine Bilder werden zu Traumorten und Sehnsuchtslandschaften, zu Inszenierungen des Unterbewussten. Hausmanns Darstellungen lassen eine Verwandtschaft zu den Arbeiten von Edward Hopper und David Hockney erkennen. Auch hier begegnen wir der Synthese von moderner Architektur mit stimmungsvoller Umgebung. So gesehen kann man Jens Hausmanns Malerei als romantischen Realismus der Postmoderne bezeichnen.

In „the Village“ beschreibt Hausmann eine „Synthese aus Vergangenheit und Gegenwart.“ Einerseits verweist er „mit der Darstellung des alten Dorfes im Dämmerlicht auf ein beliebtes Motiv in der Romantik. Andererseits zeigt er mit dem sachlich gehaltenen, beleuchteten Pavillon einer modernistischen Architektur und den roten Leuchtbuchstaben ein Beispiel aus der gegenwärtigen Kultur.“

 

Der Künstler stellt in seinen Arbeiten gerne den Moment dar, in dem das natürliche schwache Licht des Tagesendes dem künstlichen technischen Licht gegenübergestellt ist. In dieser Stimmung „verschmelzen das Menschliche, Zivilisatorische und das Geheime, Metaphysische“. Jens Hausmann: „Ich strebe damit eine Form der Landschaftsmalerei an, die nicht sentimental, sondern in der Gegenwart verankert ist, die romantische Stimmungen zulässt aber an die kurze Leine nimmt.“ Moderne Architektur fungiert hier als Bühne.

 

Als weiteres häufiges Motiv in Hausmanns Werken dient die Landschaft beziehungsweise deren Spiegelung im Wasser oder deren durch Glaswände fragmentierte Ansicht. Diese verschmilzt oft mit der Architektur und ist wesentlicher Bestandteil einer homogenen Stimmung in der Komposition des Bildes. Der harmonische Bildaufbau wird außerdem durch die Spiegelung oder Verdoppelung von Häuserkanten und Teilen erreicht.

Der Künstler sucht Landschaft bzw. Naturdarstellungen gelegentlich auch als alleiniges Motiv aus. Es fasziniert ihn dabei die Frage des wild Wuchernden, der zerstörten und bedrohten Natur oder der vom Menschen zurückgedrängten Landschaft. Meist werden Hausmanns Natureinblicke minimalistischen Architekturfragmenten gegenüber gestellt.

 

Jens Hausmanns Bilder können als Hommage an die Architektur gesehen werden. Er erhöht deren Stellenwert, indem er sie malt und im wahrsten Sinne des Wortes in ein anderes Licht setzt. Mehrere Farbschichten übereinander verstärken dabei die erwünschte Stofflichkeit und den gesuchten Farbklang. Architektur, ansonsten meist in Form von Fotografie, als Skizze oder als Computermodell, wird hier als bildwürdiges Einzelmotiv hervorgehoben.

________________________

 

As a premiere in Austria, the Galerie Reinthaler shows paintings by Berlin-based Jens Hausmann in the beginning of 2017. On show are austere and reduced portrayals of architecture in atmospheric situations of light and landscape. They are constructions made of concrete, glass and steel, thus building material, which have been used since the classical modernity. Jens Baumann chooses his houses entirely in the sense of ‘form follows function’ (Louis Sullivan) and ‚less is more’ (Ludwig Mies van der Rohe). He mostly uses photographic references of real buildings taken from the Internet. During his regular stays in Brazil his interest for modernist architecture and the international style emerged in a different scenic and cultural context. 

 

Before transferring his subjects into paintings, he often draws and paints them in watercolours. At the same time he distorts and reduces the original reference in order to achieve a ‘more dramatic and cinematic expression’. For the artist it is about the images’ atmosphere, not about the narrative of a story. For years already, people are spared. Apart from choosing a title, the particular function of the depicted rooms and hallways contribute to the pictures’ content. Also, consciously reducing to the essentials is meant to prevent from distracting the range of interpretation. 

 

In fact in a way Hausmann works like a scene designer– each detail is staged purposely. It is not for nothing that we sometimes feel reminded of theatre settings or movie scenes. His images become to dreamlike places and landscapes of longing, to mise-en-scènes of the subconscious. Hausmann’s images indicate a relationship to the works of Edward Hopper and David Hockney. Again, we encounter the synthesis of modern architecture and moody environment. Looked at in that light Jens Hausmann’s painting can be considered as romantic realism of the postmodern era. 

 

In ‘the Village’ Hausmann describes a ‘synthesis of the past and present’. On the one hand, in ‘depicting the old village in twilight he refers to a popular subject of the Romantic. With the objective, lit-up pavilion of modernistic architecture and the red illuminated letters on the other hand he shows an example of contemporary culture.’

The artist often likes to present the moment in which the natural faint light of day’s close is confronted with the artificial technical light. In this ambience ‘the human, civilizing and the secret, metaphysical meld.’ Jens Hausmann explains: ‘I am striving for a form of landscape painting, which is not sentimental but placed in the present, which allows romantic moods but kept on a short leash.’ Modern architecture here functions as a stage. 

 

Landscape and its reflection in water or its fragmented sight through glass walls serves as an additional common subject in Haumann’s body of work. Often this coalesces with the architecture and is an essential component for a homogenous atmosphere in the image’s composition. Furthermore, the harmonic structure of the picture is achieved through the reflection or duplication of house edges and parts. 

 

The artist occasionally selects landscape and depictions of nature as an exclusive subject. The issue of the wildly sprawling, of the destroyed and threatened nature or the landscape pushed back my men, fascinates him. Most commonly Hausmann’s insights into nature are confronted with minimalistic fragments of architecture. Jens Hausmann’s images can be seen as homage to architecture. In painting it and literally casting it in another light, he increases architecture’s significance. Multiple colour layers one above the other intensify the required materiality and the wanted colour tone. Most often shown within photography, as a draft or as a computer model, architecture gets highlighted being worth shown as a single image subject. 

 

Text: Simone Christl

 

Gumpendorfer Straße 53

A-1060 Wien / Austria

T: +43 699 10681871
office[a]agnesreinthaler.com



Galerie Reinthaler

Di - Fr / Tue - Fr 14.00 - 18.00
Sa / Sat 12.00 - 15.00
sowie auf Anfrage / and on request

 


Vitrine - Galerie Reinthaler
24/7

 

Handelsgerichtstandort: Wien
UID: ATU66256008
FN 357375b

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Galerie Reinthaler