
Ömer Faruk Kaplan | Matthias Klos
Remnants
13. November 2026 - 15. Jänner 2027
Opening: Do, 12.11.26, 18:00-20:00. Die Künstler sind anwesend.
Welche Spuren hinterlassen Menschen, Erlebnisse und Emotionen, und wie lassen sich diese sichtbar machen? Unter dem Titel Remnants vereint die Galerie Reinthaler zwei künstlerische Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise mit den Hinterlassenschaften von Zeit und Gegenwart beschäftigen. Während Ömer Faruk Kaplan die Spuren gelebter Geschichte in jahrzehntealtem Holz sichtbar macht, hält Matthias Klos flüchtige emotionale Zustände in fotografischen Bildern fest.
Matthias Klos setzt sich in seiner neuen Werkserie fears’ fragile faces (2026) mit den emotionalen Spuren einer von Krisen, Unsicherheit und gesellschaftlichen Spannungen geprägten Gegenwart auseinander. Aus gefaltetem, farbigem DIN-A4-Papier schneidet er achsensymmetrische Formen, die er zu maskenartigen Gebilden übereinanderschichtet. Es entstehen eigentümliche Gesichter, die zwischen Angst, Zorn, Trauer und bisweilen unfreiwilliger Komik changieren. Manche wirken bedrohlich, andere verletzlich oder beinahe vertraut.
Die fragilen Kompositionen werden weder geklebt noch dauerhaft fixiert. Mit Pinzette und angehaltenem Atem arrangiert Klos die einzelnen Papierelemente auf dem Aufnahmetisch, bevor er sie fotografisch festhält. Schon ein Luftzug könnte die Gebilde verändern oder zerstören. Die Fotografie wird damit zum einzigen dauerhaften Zeugnis eines flüchtigen Moments. Bemerkenswert ist dabei die Umkehrung des gewohnten fotografischen Prozesses: Nicht ein vorhandenes Motiv wird aufgenommen, sondern erst durch die künstlerische Handlung entsteht das Motiv. Die Bilder werden so zu persönlichen Kommentaren einer Gegenwart, die zwischen Bedrohung, Absurdität und Sprachlosigkeit oszilliert.
Ömer Faruk Kaplan beschäftigt sich in seiner raumgreifenden Installation Territories and Traces mit der Frage, wie sich Zeit in Materialien einschreibt. Ausgangspunkt sind 80 historische Holzstufen aus dem Treppenhaus seines Münchner Elternhauses, das 1893 erbaut wurde. Über 130 Jahre hinweg hatten Generationen von Bewohner:innen sowie deren Besucher:innen die Stufen benutzt und dabei unbewusst ihre Spuren hinterlassen. Als die Treppe im Zuge einer Renovierung ausgetauscht werden sollte, bewahrte Kaplan die alten Stufen vor der Entsorgung und machte sie zum Ausgangspunkt seiner künstlerischen Auseinandersetzung mit individueller und kollektiver Erinnerung.
Durch die senkrechte Anordnung der Stufen an der Wand verändert Kaplan nicht nur deren ursprüngliche Funktion, sondern auch unsere Wahrnehmung. Kerben, Abnutzungen und Farbveränderungen werden zu sichtbaren Zeugnissen vergangener Leben. Die Menschen, die über Jahrzehnte hinweg die Treppe benutzten, werden damit gewissermaßen zu Mitgestalter:innen der Skulptur. Nachdem im September bereits 18 der insgesamt 80 Stufen auf der Astoria Artshow präsentiert wurden, sind in Remnants nun mehr Stufen in einer neuen Zusammenstellung zu sehen. Ihre rhythmische Anordnung eröffnet einen weiteren Blick auf die Geschichte, die sich in das Holz eingeschrieben hat.
Die beiden Positionen verbindet die Suche nach Spuren, die andernfalls verschwinden würden. Bei Kaplan sind es die materiellen Hinterlassenschaften vergangener Generationen, bei Klos die flüchtigen Abbilder gegenwärtiger Empfindungen. Remnants macht sichtbar, was von gelebter Zeit und vergänglichen Momenten bleibt – und was erst durch den künstlerischen Blick eine neue Bedeutung erhält.
Opening: Thursday, 12 November 2026, 6–8 pm. Both artists will be present.
What traces do people, experiences and emotions leave behind, and how can they be made visible? Under the title Remnants, Galerie Reinthaler brings together two artistic positions that explore, in different ways, what remains of the past and present. While Ömer Faruk Kaplan reveals the traces of lived history in century-old wood, Matthias Klos captures fleeting emotional states in photographic images.
Matthias Klos, in his new series fears’ fragile faces (2026), explores the emotional traces of a present marked by crises, uncertainty and social tensions. Using folded sheets of coloured A4 paper, he cuts out symmetrical shapes and layers them into mask-like formations. The result is a series of peculiar faces that oscillate between fear, anger, sorrow and, at times, unintended comedy. Some appear threatening, others vulnerable or almost familiar.
The fragile compositions are neither glued nor permanently fixed. Using tweezers and holding his breath, Klos carefully arranges the individual paper elements on a photographic table before capturing them with his camera. Even the slightest draught could alter or destroy these delicate formations. Photography thus becomes the only lasting record of a fleeting moment. What is particularly striking is the reversal of the conventional photographic process: rather than capturing an existing subject, the subject itself only comes into being through the artistic process. The images become personal commentaries on a present that oscillates between menace, absurdity and speechlessness.
Ömer Faruk Kaplan, in his expansive installation Territories and Traces, explores how time becomes inscribed in materials. The starting point is a collection of 80 historic wooden stair treads from the staircase of his childhood home in Munich, a building constructed in 1893. For more than 130 years, generations of residents and visitors had walked these stairs, unknowingly leaving their marks. When the staircase was due to be replaced during renovation work, Kaplan rescued the old treads from disposal and made them the starting point for his artistic exploration of individual and collective memory.
By arranging the stair treads vertically along the wall, Kaplan transforms not only their original function but also the way we perceive them. Grooves, signs of wear and variations in colour become visible testimonies to lives once lived. In a sense, the people who used the staircase over the decades become co-creators of the sculpture. Following the presentation of 18 of the 80 stair treads at the Astoria Artshow in September, Remnants now features a larger selection in a new configuration. Their rhythmic arrangement offers a fresh perspective on the history embedded in the wood.
What connects these two artistic positions is the search for traces that might otherwise disappear. For Kaplan, these are the material remnants of past generations; for Klos, the fleeting impressions of contemporary emotions. Remnants makes visible what remains of lived time and transitory moments – and what acquires new meaning only through the artist's gaze.
















